Alte Gaardener Gilde von 1738 e.V.

Fahnenweihe 1971



Das Gildejahr 1971 stand ganz im Zeichen der Weihe einer neuen Fahne. Schwierigkeiten zur Beschaffung wurden durch manches persönliche und finanzielle Opfer aus dem Weg geräumt. Die Verantwortlichen für die Weihe mußten bis zum letzten Augenblick zittern, denn wenige Stunden vor dem Festakt war die Fahne, die aus Hamburg kommen sollte, immer noch nicht da. Kurz bevor sich der Oberst, der Major und der Rottmeister »krank« melden wollten, traf sie dann doch noch ein, und die abendliche Feierstunde am Gildeehrenmal war beeindruckend.

 

Dem Auge bot sich ein ungewöhnlich schönes Bild, als die Schützenbrüder und -schwestern in den grünen Röcken mit Fahnen und Bannern bei untergehender Sonne auf der Rasenfläche Aufstellung genommen hatten.

 

Nach der würdigen Totenehrung und der Kranzniederlegung begann der feierliche Akt der Fahnenweihe, der mit dem Lied »Mein Schleswig-Holstein«, dargeboten vom Gesangsverein Germania Kiel-Gaarden, eingeleitet wurde. Dann hielt Major Heinz Beetz die Ansprache. Er zeigte in seinen Ausführungen die Geschichte der Gilde auf und ging insbesondere auf das Brauchtum und die Tradition der Schützen ein, zumal darüber im vergangenen Jahr ein politischer Streit entbrannt war. »Traditionswerte haben in der heutigen Zeit durchaus ihren Platz, wenn sie auch manchem wenig sinnvoll erscheinen mögen, denn Tradition bewahren und erhalten heißt ja nicht Asche aufheben, sondern die Flamme am brennen halten!« sagte er wörtlich. Wenn die Gilden heute nicht mehr die Aufgaben haben und erfüllen, die sie sich bei ihren Gründungen stellten, nämlich sich gegenseitig bei Feuersgefahr zu helfen oder bei Notständen den Schutz der Städte und ihrer Bewohner zu übernehmen, so sind sie doch echte Bruderschaften geblieben. Man möge sich doch einmal, bei aller Kritik, die Frage stellen, wie es möglich gewesen ist, daß die Gilden über Hunderte von Jahren ihren Bestand gehalten haben und Notzeiten und Kriege, ja sogar Fremdherrschaften, überstanden haben. Wenn die Gilden sich ernsthaft bemühen, echte gemeinschaftsverbindende Arbeit mit und zum Wohle der Bevölkerung zu leisten und das vielfältig unter Beweis gestellt haben, dann nehmen sie auch in der heutigen »modernen Umwelt« ihren Platz ein, und man kann ihre Arbeit nicht einfach übersehen oder ihren Bestand hinwegdiskutieren wollen.

 

Unter den Klängen festlicher Musik, ausgeführt vom Jugendblasorchester Concordia, wurde die neue, noch verhüllte Fahne von vier jungen Gildemädchen auf den Festplatz getragen. Der Oberst Willi Schäfer enthüllte und weihte sie mit der alten Gildefahne.

 

Anschließend übergab er sie der Fahnenmannschaft mit den Worten:

 

Als Zeichen unsrer Bruderschaft,

als Zeichen fester Treue,

wird uns're neue Fahne heut' enthüllt.

Es ist ein Ehrentag, ein Fest der Weihe,

für uns're Gilde, der die Freude gilt!

Nehmt diese schöne Fahne nun von mir entgegen,

steht fest und treu zu ihr in Freud' und Leid,

tragt sie in Ehren stets; auf allen Wegen,

in Eintracht und in eine neue Zeit!

 

Nach dem Chorlied »Herrgott, schütze unser deutsches Land«, der Überreichung von 18 Fahnennägeln durch die Gäste und dem gemeinsam gesungenen »Schleswig-Holstein Lied« , klang die abendliche Feierstunde aus.

 

Unter Leitung des Spielmannszuges der ETV und des Jugendblasorchesters Concordia marschierte der Umzug zum Festplatz, um anschließend nach einem Fackelzug durch Gaarden, dem Abholen des Königs Hermann Biel »der Humorvolle«, im Gaardener Brook unter großer Anteilnahme der Bürger und der Jugend den »Großen Zapfenstreich« zu erleben. Ein schöner Tag neigte sich dem Ende zu.


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